Die US-amerikanische Regierung steigt nun definitiv für 8,9 Milliarden Dollar mit knapp zehn Prozent bei dem im kalifornischen Santa Clara beheimateten angeschlagenen Chip-Riesen Intel ein, wie US-Handelsminister Howard Lutnick auf dem Kurznachrichtendienst X bestätigte. "Die Vereinigten Staaten von Amerika besitzen nun zehn Prozent von Intel", Lutnick wörtlich. Es handle sich um eine "faire Vereinbarung für Intel und für das amerikanische Volk".
Die Regierung erwirbt die 433,3 Millionen Aktien mit Mitteln aus noch nicht ausgezahlten Zuschüssen des sogenannten Chips Act in Höhe von 5,7 Milliarden Dollar sowie 3,2 Milliarden Dollar, die Intel für das Secure-Enclave-Programm zugesprochen wurden. Der Kaufpreis von 20,47 Dollar je Aktie liegt rund vier Dollar unter dem Schlusskurs vom Freitag von 24,80 Dollar. Lutnick hatte zu Wochenbeginn erklärt, der Anteil werde kein Stimmrecht beinhalten. Die Regierung könne dem Unternehmen damit nicht vorschreiben, wie es sein Geschäft zu führen habe.
Die jetzige Vereinbarung stellt eine Kehrtwende Trumps dar. Dieser hatte jüngst noch den Rücktritt des seit 18. März dieses Jahres als CEO von Intel amtenden Lip-Bu Tans wegen dessen Geschäftsbeziehungen nach China gefordert. "Er kam, weil er seinen Job behalten wollte, und am Ende gab er uns zehn Milliarden Dollar für die USA. Wir haben also zehn Milliarden Dollar eingenommen", sagte Trump am Freitag zu seinem jüngsten Treffen mit Tan am 11. August.
Die Beteiligung an Intel ist die jüngste in einer Reihe ungewöhnlicher Vereinbarungen der US-Regierung mit Unternehmen. So erhält sie als Gegenleistung für Exportgenehmigungen für bestimmte Chips nach China 15 Prozent der dortigen Umsätze des Herstellers Nvidia. Zudem soll das Pentagon grösster Anteilseigner des Bergbauunternehmens MP Materials werden, um die Produktion von Seltene-Erden-Magneten zu steigern.
Bei der Übernahme von U.S. Steel durch die japanische Nippon Steel handelte die Regierung eine "goldene Aktie" mit bestimmten Vetorechten für sich aus. Die weitreichenden Eingriffe in Unternehmensangelegenheiten haben Kritiker auf den Plan gerufen. Sie befürchten, dass Trumps Vorgehen neue unternehmerische Risiken schaffe.
