KI erfordert gigantische Rechenzentrumskapazitäten (Symbolbild: Pixabay/Yamu)

Ein neuer UNO-Bericht, der die oft unsichtbare, physische Infrastruktur von KÜnstlicher Intelligenz (KI) in den Fokus rückt, warnt vor einem dramatischen Ressourcenverbrauch durch KI. "Jede Interaktion beansprucht endliche Ressourcen", heisst es seitens der Universität der Vereinten Nationen in Kanada. "Der Start von ChatGPT im Jahr 2022 glich nichts Geringerem als einer technologischen Schockwelle", halten die Autoren im Bericht des UNO-Instituts für Wasser, Umwelt und Gesundheit (UNU-INWEH) schriftlich fest.

Innerhalb von nur fünf Tagen habe die Konversations-KI die Marke von einer Million Nutzern und Nutzerinnen überschritten – schneller als jede andere App in der Geschichte. Bis Mitte 2025 hätten bereits 700 Millionen Menschen und damit etwa zehn Prozent der Weltbevölkerung ChatGPT verwendet, um wöchentlich 18 Milliarden Nachrichten zu versenden, heisst es. KI sei inzwischen fest in den Alltag integriert und treibe einen Grossteil der digitalen Welt an – Sprachassistenten, Suchmaschinen, Empfehlungssysteme, intelligente Stromzähler und Smartphones zum Beispiel. Dabei verfügten aktuell nur 16 Prozent der Länder über KI-spezialisierte Cloud-Rechenkapazitäten, 90 Prozent dieser Kapazität konzentrierten sich auf die USA und China.

Laut dem Bericht verbrauchten Rechenzentren 2025 schätzungsweise 448 Terrawattstunden Strom. Bis 2030 könnte sich dieser Bedarf mehr als verdoppeln, wobei KI-Anwendungen einen massiven Anteil daran haben werden. Schätzungen zufolge verarbeite allein ChatGPT rund 2,5 Milliarden Prompts pro Tag. "Bei einem konservativ angesetzten Wert von 0,42 Wattstunden pro Text-Prompt entspricht der Betrieb von ChatGPT in diesem Umfang einem jährlichen Stromverbrauch von etwa 383 Gigawattstunden," heisst es. Hinzu kommt der Verbrauch an Wasser und Flächen. Allein das Kühlen der Server und die Stromerzeugung verschlingen riesige Mengen Wasser. Bis 2030 könnte der Wasser-Fussabdruck der KI gemäss dem Bericht auf 9,3 Billionen Liter ansteigen.

Zudem benötigt die Infrastruktur immer mehr Platz, und die ständige Erneuerung der Hardware könnte bis 2030 weltweit bis zu 2,5 Millionen Elektroschrott pro Jahr verursachen.

Der Bericht betont, dass mittlerweile nicht mehr das Training der KI den grössten Teil der Energie frisst, sondern das alltägliche, ununterbrochene Antworten auf Nutzeranfragen, die sogenannte Inference.

Der Bericht schlägt daher sechs Prinzipien für einen nachhaltigeren KI-Umfokus vor: Transparenz bei den Energiedaten, eine höhere Effizienz, die Beachtung ökologischer Gerechtigkeit, globale Kooperation sowie den bewussten Einsatz der "leichtesten" KI-Modelle für die jeweilige Aufgabe.

Kiritker des UNO-Berichts bemängeln, dass die vom Boom profitierenden Tech-Unternehmen – insbesondere Amazon, Google, Meta und Microsoft – nicht genannt werden, und es gebe auch keine Vorschläge dafür, sie in die Verantwortung zu nehmen. Nach Ansicht des Wirtschaftsinformatiker Wolfgang Maass vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken führt die Asymmetrie zwischen grossen KI-Anbietern und kommunalen oder regionalen Behörden bei der Genehmigung und Ansiedlung von Rechenzentren "zu einer Unterbewertung der Knappheit von Ressourcen, insbesondere Land, Wasser und Netzanschlusskapazitäten".