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Ein neues Feature von Elon Musks Social-Media-Plattform X zeigt seit einigen Tagen an, aus welchem Land ein Nutzer-Account mutmasslich betrieben wird. Die Daten werden im Bereich "Über diesen Account" eingeblendet. Zu den genauen technischen Kriterien macht X allerdings keine Angaben. Laut X-Produktchef Nikita Bier basiert die neue Anzeige auf Datenpunkten wie IP-Adressen, Login-Informationen, Gerätenutzung und Spracheinstellungen.

Die Angabe soll ausdrücklich kein exakter Standort sein, sondern nur das Land oder die Region widerspiegeln, aus der ein Account überwiegend betrieben wird. Parallel dazu zeigt X inzwischen auch an, wie alt ein Profil ungefähr ist - ebenfalls als Transparenzfunktion.

Das Feature solle X zufolge den Anwendern helfen, die Glaubwürdigkeit eines Accounts besser einzuschätzen. Angezeigt werden das mutmassliche Herkunftsland bzw. der Aufenhaltsort, die Region des App-Stores, der Zeitpunkt der Accounterstellung sowie die Anzahl der bisherigen Namensänderungen. Allerdings ist die Aussagekraft begrenzt. Ein Nutzer kann sich beispielsweise in einem anderen Land aufhalten, während seine App-Store-Region weiterhin auf ein früheres Wohnland verweist. Auch durch VPN-Verbindungen lassen sich die Daten beeinflussen. VPNs oder Proxies können die IP-Adresse verschleiern.

Grundsätzlich kann mehr Transparenz helfen, politische Manipulationen zu erkennen. Wenn ein stark reichweitenstarker Account über US-Politik schreibt, aber aus einer anderen Weltregion operiert, ist das für die Einordnung relevant. So zeigt X etwa, dass einige prominente Konten, die die MAGA-Bewegung (Make America great again) von US-Präsident Donald Trump promoten – und ebenso Anti-Trump-Accounts – nicht in den USA, sondern in Afrika, Russland oder Asien beheimatet oder jedenfalls dort angelegt worden sind.

Am Wochenende teilte Trump auf Truth Social einen Post des X-Users „TRUMP_ARMY_“, der ein Urteil des US-Höchstgerichts zu Abschiebungen aus den USA feierte. Der Account hat mehr als eine halbe Million Follower, darunter auch republikanische Senatorinnen und Senatoren. Laut dem neuen Geodaten-Feature befindet sich der Account aber in Indien, und der Username wurde seit März 2022 viermal geändert. Mittlerweile wurde das Profil verändert, der Anwender beschreibt sich nun selbst als "Inder, der Amerika, Präsident Trump, Musk liebt!“

Die BBC fand nach eigenen Angaben auch den Account eines selbst ernannten "stolzen Demokraten“, der trumpfeindliche Posts teilte und sich als „professioneller MAGA-Jäger“ bezeichnete – und laut der X-Geolocation-Information in Kenia beheimatet ist. Der User löschte laut BBC mittlerweile sein Profil.

Plattformen wie Facebook, Youtube oder Tiktok haben in den vergangenen Jahren ähnliche Transparenzmechanismen eingeführt, um staatliche Einflussnahme und koordinierte Kampagnen sichtbarer zu machen - allerdings mit deutlichen Unterschieden.