Soziale Medien haben Finanzberater als wichtigste Informationsquelle für Anleger der Generation Z (16 bis 30 Jahre alt) überholt. Das ist ein Ergebnis einer Umfrage der New Yorker Online-Investmentgesellschaft Betterment unter 1.000 US-Privatanlegern aus vier Generationen. Danach nutzen 60 Prozent der Anleger der Generation Z mittlerweile soziale Medien als ihre bevorzugte Quelle für Finanznachrichten. 2024 waren es "nur" 45 Prozent.
Das Vertrauen in KI als Finanzberater liegt generell bei 31 Prozent, doch für diese ist der Einfluss erheblich: 53 Prozent dieser Gruppe geben an, dass KI eine finanzielle Entscheidung beeinflusst hat, die sie andernfalls nicht getroffen hätten. Die Generation Z treibt diesen Wandel voran: 48 Prozent geben an, dass KI eine Entscheidung beeinflusst hat - und sie fühlen sich achtmal häufiger als Babyboomer (über 60-Jährige) wohl dabei, KI für die langfristige Finanzplanung zu nutzen.
"Diese Kluft ist von Bedeutung", gibt der Finanzprofi Betterment zu bedenken, dem dadurch Kunden wegbrechen. "KI-gestützte Finanzentscheidungen, die ohne ausreichende menschliche Aufsicht oder Finanzkompetenz getroffen werden, bergen Risiken - und zwar nicht nur in Bezug auf Investitionen. Entscheidungen, die Budgets überstrapazieren oder falsch zuweisen, tragen zu denselben Kreditproblemen bei, die Inkassounternehmen täglich zu lösen haben."
Langfristige Investitionen haben für die Generation Z allerdings nur mässige Bedeutung. 52 Prozent der Investoren der Generation Z haben im vergangenen Jahr laut Umfrage Geld, das ursprünglich für Investitionen vorgesehen war, in Sportwetten "angelegt". 26 Prozent betrachten diese mittlerweile als Bestandteil ihrer langfristigen Finanzstrategie - nicht als Hobby oder Unterhaltung, sondern als geplantes Finanzinstrument.
Das Risiko ist gross. Eine Untersuchung der Federal Reserve Bank of New York zeigt, dass in US-Bundesstaaten, die Sportwetten legalisiert haben, ein messbarer Anstieg der Zahlungsausfallraten und ein Rückgang der durchschnittlichen Kreditwürdigkeit zu verzeichnen sind.
Die zunehmende Verfügbarkeit legaler Sportwetten drückt laut einer Untersuchung der Brigham Young University die Sparquote bei vielen US-Bürgern. Für ihre Studie haben die Forscher Transaktionsdaten von 184.000 Haushalten in den USA genauer unter die Lupe genommen.
"Wenn ein Prognosemarkt oder ein Sportwettenanbieter zur Altersvorsorge avanciert, haben wir ein Problem. Diese Produkte sind darauf ausgelegt, Menschen dazu zu bringen, immer den nächsten schnellen Gewinn anzustreben, und nicht, ihnen dabei zu helfen, für das nächste Jahrzehnt vorzusorgen. Jüngere Anleger verdienen Zugang zu Instrumenten und Infos, die auf ihre aktuelle Situation zugeschnitten sind, aber die Branche hat auch die Verantwortung, den Unterschied zwischen der Teilnahme an einem Trend und dem Aufbau von dauerhaftem Vermögen klar zu machen", sagt Betterment-CEO Sarah Levy.
Die Umfrage zeigt, dass das Vertrauen in die Altersvorsorge insgesamt auf 44 Prozent gesunken ist. Die Generation X (45 bis 60 Jahre alt) befindet sich in der prekärsten Lage und weist mit 31 Prozent das geringste Vertrauen in die Altersvorsorge aller Generationen auf. Dabei handelt es sich um Verbraucher, die sich dem Höhepunkt oder Ende ihrer Erwerbsjahre nähern, oft erhebliche Kreditverbindlichkeiten haben und nun zunehmend unsicher über ihre finanzielle Entwicklung sind.
