Der Ende September ausgebrochene Konflikt zwischen dem niederländischen und dem chinesischen Teil des Chipherstellers Nexperia, der bereits zu Störungen in den Lieferketten der Autoindustrie geführt hat, schwelt weiter. Nun forderte der niederländische Nexperia-Teil in einem offenen Brief seine chinesischen Unternehmensteile zur Wiederaufnahme der normalen Produktion auf.
Nexperia B.V. habe wiederholt und mehrfach versucht, den Dialog mit den Nexperia-Einheiten in China wiederherzustellen, hiess es in dem Schreiben. Bedauerlicherweise habe man aber keine stichhaltigen Antworten erhalten.
Die Nexperia-Lieferkette ist unterbrochen, seit die niederländische Regierung am 30. September die Kontrolle über das Unternehmen übernommen hat. Zur Begründung hatte es damals geheissen, man wolle verhindern, dass der frühere Vorstandschef die europäischen Aktivitäten von den Niederlanden nach China verlagere. Die chinesische Seite erklärte sich daraufhin als nicht mehr der europäischen Führung unterstellt. Am Mittwoch dieser Woche hatten der chinesische Handelsminister Wang Wentao und EU-Handelskommissar Maros Sefcovic über das Thema gesprochen.
Hintergrund dazu ist, dass Nexperia einen Grossteil seiner Produkte in Hamburg herstellt und sie dann nach China weiterleitet, von wo aus sie dann an Kunden ausgeliefert werden. Das Unternehmen, das sich im Besitz der chinesischen Wingtech befindet, produziert Milliarden einfacher, aber weitverbreiteter Chips für Autos und andere Elektronik. Engpässe bei diesen Bauteilen hatten zuletzt die Lieferketten der Autohersteller bedroht und zu Produktionsverzögerungen geführt.
In Deutschland hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) vor eineinhalb Wochen erklärt, es sei zu früh, von einer Entwarnung zu sprechen. Der Engpass bei den Chips könne sich auch in den kommenden Wochen auf die Lieferketten in der Autoindustrie auswirken, betont der VDA.
