Erst innovativ, dann träge: Viele CEOs scheuen allmählich Risiken (Bild: ChatGPT/Dall-E)

Viele Jahre lang vom gleichen Vorstandvorsitzenden oder Geschäftsführer geleitete Unternehmen verlieren allmählich ihre Innovationskraft. Sie neigen dazu, Investitionen in Innovationen zu reduzieren, die langfristiges technologisches Wachstum auslösen könnten. Dies zeigt eine Untersuchung von Igbekele Sunday Osinubi von der University of East London.

Osinubi hat bei 215 der 350 grössten börsennotierten Unternehmen zwischen 2010 und 2021 untersucht, wie die Amtszeit des CEOs und unabhängige Verwaltungsratsmitglieder die Forschung, das Fachwissen und die technologischen Fähigkeiten beeinflussten, die durch Investitionen in Innovation aufgebaut wurden. Ergebnis: CEOs, die viele Jahre im Amt waren, wurden mit der Zeit vorsichtiger und waren weniger bereit, risikoreiche Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu unterstützen.

Unternehmen mit einer höheren Anzahl an unabhängigen, starken Verwaltungsratsmitgliedern bauten dagegen weiterhin Innovationskapazitäten auf, auch wenn die CEOs lange im Amt waren. Erfahrene CEOs und unabhängige Verwaltungsratsmitglieder könnten eine effektive Partnerschaft bilden, um fundiertes Unternehmenswissen mit externen Impulsen zu verbinden, so der Forscher der University of East London.

"Langjährige CEOs können wertvolle Erfahrung und Stabilität einbringen, aber es besteht auch die Gefahr, dass sie zu vorsichtig werden oder zu sehr an bestehenden Denkweisen festhalten. Unabhängige Verwaltungsratsmitglieder spielen eine wichtige Rolle dabei, Unternehmen zu ermutigen, weiterhin in Innovation zu investieren, insbesondere in schwierigen Zeiten, in denen sich Firmen andernfalls aus der langfristigen Forschung und Entwicklung zurückziehen könnten", sagt Osinubi.

Er plädiert dafür, dass Regulierungsbehörden und politische Entscheidungsträger Governance-Reformen und Anreize in Betracht ziehen sollten, die langfristige Innovationsstrategien fördern, insbesondere in Firmen, die von langjährigen Führungskräften geleitet werden. Die Ergebnisse könnten auch Einfluss darauf haben, wie Vorstände über die Nachfolgeplanung für CEOs, die Aufsicht und das Gleichgewicht zwischen kurzfristigem Finanzdruck und langfristigen Investitionen denken.